Glossar · Druckeinstellungen

Retraction (Rückzug)

So verhinderst du mit dem Rückzug des Filaments Fäden und Tropfen bei Leerfahrten.

Von RedaktionAktualisiert am So vergleichen wir

Kurz gesagt

Retraction ist der kurze Rückzug des Filaments im Extruder, kurz bevor der Druckkopf ohne Materialauftrag weiterfährt. Der Druck in der Düse sinkt, es läuft weniger Schmelze nach. Länge und Geschwindigkeit des Rückzugs legst du im Slicer fest.

Was ist Retraction?

Retraction heißt auf Deutsch „Rückzug“. Gemeint ist ein kurzes Zurückziehen des Filaments, bevor der Druckkopf eine Strecke ohne Materialauftrag fährt. Der Extruder dreht dafür rückwärts und nimmt den Druck aus der Schmelzkammer. Ohne diesen Schritt würde Material aus der Düse nachlaufen und dünne Fäden über freie Flächen ziehen.

Der Slicer entscheidet, wann ein Rückzug stattfindet, und schreibt ihn als Befehl in den G-Code. Zwei Werte bestimmen das Ergebnis: die Rückzugslänge und die Rückzugsgeschwindigkeit. Vor dem nächsten Druckabschnitt schiebt der Extruder dieselbe Menge wieder vor. Retraction ist damit die wichtigste Einstellung gegen Stringing. Sie ersetzt aber weder trockenes Filament noch eine passende Temperatur.

Wie stellst du die Retraction richtig ein?

Starte mit dem Profil deines Druckers und ändere pro Testdruck nur einen Wert. Der Antrieb spielt eine große Rolle, denn bei einem Bowden-Aufbau legt das Filament im Schlauch einen längeren Weg zurück:

Extruder-Typ Typische Länge Typische Geschwindigkeit
Direct Drive meist 0,5 bis 2 mm meist 25 bis 45 mm/s
Bowden meist 3 bis 7 mm, je nach Schlauchlänge meist 30 bis 60 mm/s

Das sind grobe Richtwerte. Die Angaben von Drucker- und Filamenthersteller haben Vorrang. So liest du das Ergebnis:

  • Zu wenig Rückzug: Es bleiben Fäden und kleine Tropfen an der Oberfläche.
  • Zu viel Rückzug: Heißes Material wird in kühlere Zonen gezogen und kann den Filamentfluss stören.
  • Zu schnell: Das Förderrad kann durchrutschen, nach der Leerfahrt fehlt dann Material.
  • Weitere Hebel: etwas niedrigere Düsentemperatur, kürzere Leerfahrten und trockenes Filament.

Ein Retraction-Test mit zwei schmalen Säulen im Abstand macht den Effekt sichtbar. Du erhöhst die Länge in kleinen Schritten, bis die Fäden verschwinden. Flexibles Material wie TPU verträgt meist nur wenig oder gar keinen Rückzug, weil es sich im Antrieb staucht.

Notiere dir die Werte, die bei einem Filament gut funktioniert haben, und speichere sie als eigenes Profil im Slicer. So musst du beim nächsten Druck nicht von vorn anfangen.

In der Praxis

Wenn trotz passender Retraction noch Fäden bleiben, lohnt der Blick auf Material und Temperatur. Ursachen und Lösungen findest du im Ratgeber Stringing vermeiden: Ursachen und Lösungen. Drucker mit Direct-Drive-Extruder brauchen meist kürzere Wege und lassen sich dadurch einfacher abstimmen. Die Werte aus dem Slicer-Profil sind ein guter Start, aber kein Dogma. Jedes Filament verhält sich etwas anders, selbst bei gleicher Sorte.

Verwandte Begriffe

3D-Drucker-Ratgeber Icon

Redaktion

Die Redaktion des 3D-Drucker-Ratgebers vergleicht 3D-Drucker, Resin-Drucker, Filamente und Zubehör anhand offener Kriterien: Herstellerangaben, zitierte Fachtests und gebündelte Praxiserfahrungen aus der Maker-Community. Wie wir vorgehen, steht auf der Seite „So vergleichen wir“.

Zuletzt aktualisiert am 03.11.2026