Kurz gesagt
Raft ist eine mehrschichtige Plattform, die der Drucker unter das eigentliche Modell druckt, bevor das Teil selbst beginnt. Sie vergrößert die Haftfläche, gleicht kleine Unebenheiten des Druckbetts aus und lässt sich nach dem Druck vom Modell trennen.
Was ist ein Raft?
Das englische Wort „raft“ bedeutet Floß, und das Bild passt: Dein Modell schwimmt sozusagen auf einer Unterlage, die selbst am Druckbett haftet. Der Slicer druckt zuerst mehrere Schichten Raft, meist mit einer groben unteren und einer dichteren oberen Lage. Darauf beginnt das Modell. Zwischen Raft und Modell bleibt ein kleiner Abstand, damit sich beide später trennen lassen.
Anders als der Brim, der nur als flacher Rand am Fuß des Teils anliegt, liegt das Raft unter der gesamten Fläche. Es gehört zu den Haftungshilfen, nicht zu den Stützstrukturen, auch wenn beide mit Material arbeiten, das nach dem Druck entfernt wird.
Wann lohnt sich ein Raft?
Ein Raft ist eher eine Notlösung als ein Standard. Er kann in diesen Situationen sinnvoll sein:
- Das Druckbett ist leicht uneben und die erste Schicht haftet nicht überall.
- Ein Material zeigt starkes Verziehen und lässt sich auch mit Brim nicht bändigen. Bei ABS und ASA sorgst du außerdem für gute Belüftung.
- Das Modell hat eine sehr kleine oder filigrane Auflagefläche.
- Die Unterseite des Teils soll nicht direkt auf dem Bett kleben, etwa weil die Platte empfindlich ist.
Dem stehen einige Nachteile gegenüber. Ein Raft verbraucht zusätzliches Filament und verlängert die Druckzeit. Die Unterseite des Modells wird meist rauer, weil sie nicht direkt auf dem Bett liegt. Außerdem musst du das Raft nach dem Druck abtrennen, was bei empfindlichen Details mühsam sein kann.
Die wichtigsten Parameter im Slicer sind die Anzahl der Raft-Schichten, der Abstand zum Modell und der Überstand, also wie weit das Raft über die Modellkante hinausragt. Ein etwas größerer Abstand macht das Lösen leichter, verschlechtert aber die Qualität der Unterseite.
Beim Ablösen gehst du am besten in zwei Schritten vor. Erst nimmst du das Teil samt Raft vom Bett, dann trennst du beide vorsichtig voneinander. Meist lässt sich das Raft in einem Stück abziehen, wenn der Abstand passend gewählt war. Bleiben Reste zurück, hilft feines Schleifpapier oder ein Skalpell. Die Unterseite bleibt aber in der Regel etwas strukturiert.
In der Praxis
Probiere zuerst einfachere Mittel: ein sauberes Bett, die passende Temperatur und gegebenenfalls einen Brim. Hilft das nicht, kann ein Raft die Lösung sein. Mehr zu Ursachen und Gegenmaßnahmen findest du in unserem Ratgeber zum Thema Warping. Wenn dein Teil überhängende Bereiche hat, die zusätzlich abgestützt werden müssen, kommen noch Stützstrukturen dazu.



