Kurz gesagt
Pressure Advance ist eine Firmware-Funktion, die den Filamentdruck in der Düse bei Beschleunigung und Abbremsen ausgleicht. Der Extruder schiebt vor Tempoänderungen etwas mehr oder weniger Material nach. Das reduziert Wülste in Ecken und Lücken nach Kurven.
Was ist Pressure Advance?
Filament ist ein elastischer Strang, und das Hotend ist eine Engstelle. Wenn der Extruder schiebt, baut sich vor der Düse Druck auf, und beim Stoppen baut er sich nur verzögert wieder ab. Der Druck läuft dem Extruder also hinterher. Das Ergebnis: Beim Anfahren kommt zu wenig Material, beim Abbremsen zu viel.
Pressure Advance gleicht diese Trägheit aus. Die Firmware schiebt vor einer Beschleunigung etwas mehr Filament nach und nimmt es vor dem Abbremsen früher zurück. Der Name stammt aus der Klipper-Firmware. In Marlin heißt dieselbe Idee Linear Advance, bei manchen Herstellern trägt die Funktion eigene Bezeichnungen. Mit der Flussrate hat das nichts zu tun, denn diese skaliert die Gesamtmenge, während Pressure Advance nur den zeitlichen Verlauf korrigiert.
Woran erkennst du, dass Pressure Advance fehlt oder falsch steht?
Typische Hinweise findest du an den Ecken deiner Drucke:
- Zu wenig Ausgleich: Ecken sind rund und aufgewölbt, am Anfang einer Linie fehlt Material, an der Naht sitzt ein Pickel.
- Zu viel Ausgleich: Ecken wirken eingefallen, nach einer Kurve entstehen kleine Lücken, Linien beginnen dünn.
Eingestellt wird ein einziger Wert, der von Filament, Düse und Hotend abhängt. Am einfachsten druckst du einen Kalibrierturm, bei dem der Wert schrittweise steigt, und suchst die Höhe mit den saubersten Ecken. Viele Slicer und Firmwares bieten dafür fertige Testdateien. Typische Werte unterscheiden sich stark zwischen Direct-Drive- und Bowden-Aufbau, deshalb solltest du keine Zahlen aus dem Internet blind übernehmen.
Lege den Wert pro Filament an, denn weiche Materialien wie TPU verhalten sich anders als steifes PLA. Wenn du die Düse oder das Hotend tauschst, miss neu. Und beachte: Pressure Advance ersetzt keine saubere Mechanik. Wackelnde Ecken durch Vibrationen löst eher Input Shaping.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei hohen Geschwindigkeiten: Je schneller du druckst, desto größer wird der Druckunterschied zwischen Gerade und Kurve. Mit passend eingestelltem Wert bleiben Wandstärke und Optik auch dann gleichmäßiger.
In der Praxis
Planst du einen schnellen Drucker mit guter Firmware-Unterstützung, schau in unseren Leitfaden zur Kaufberatung. Dort ordnen wir Geräte nach Herstellerangaben ein, auch in Bezug auf Kalibrierfunktionen. Viele aktuelle Modelle kalibrieren den Wert teilweise automatisch, eine Prüfung per Testdruck bleibt aber sinnvoll.



