Kurz gesagt
Nylon (PA) ist ein Sammelbegriff für Polyamide, die im FDM-Druck als zähes, abriebfestes und gleitfähiges Filament für Funktionsteile wie Zahnräder, Scharniere und Buchsen dienen. Es nimmt Feuchtigkeit sehr schnell auf und verzieht sich leicht, deshalb braucht es Trocknung und meist ein Gehäuse.
Was ist Nylon (PA)?
„Nylon“ war ursprünglich ein Markenname und steht heute für eine ganze Werkstofffamilie: die Polyamide, kurz PA. Beim 3D-Druck begegnen dir vor allem PA6, PA12 und Mischungen daraus, oft auch mit Zusätzen wie Carbonfasern. Das Material gilt als zäh, schlagfest und gleitfähig. Deshalb landet es bei Zahnrädern, Scharnieren, Buchsen und Werkzeughalterungen.
Gegenüber PLA ist Nylon deutlich weniger spröde. Gegenüber PETG verträgt es Wechsellasten meist besser, ist aber schwieriger zu drucken. Von TPU unterscheidet es sich durch die höhere Steifigkeit: Nylon federt, bleibt aber formstabil. Verarbeitet wird es im FDM-Verfahren, in der Regel mit einem Hotend, das hohe Temperaturen sicher erreicht.
Was macht Nylon im Druck anspruchsvoll?
Drei Eigenschaften verursachen die meisten Probleme:
- Feuchtigkeit: Nylon zieht Wasser aus der Luft besonders schnell. Feuchtes Filament zischt, blubbert und liefert raue, fadenziehende Drucke. Mehr dazu liest du unter Hygroskopie. Trocknen vor dem Druck und eine dichte Lagerung sind meist Pflicht.
- Verzug: Nylon schrumpft beim Abkühlen deutlich. Große, flache Teile neigen zu Warping. Ein geschlossenes Gehäuse, ein warmes Heizbett und ein Brim helfen.
- Haftung: Auf glatten Platten haftet Nylon oft schlecht. Viele Maker arbeiten mit einem Haftmittel wie Klebestift. Welche Oberfläche passt, steht im Datenblatt des Herstellers.
Als grobe Orientierung gelten typisch 240–270 °C an der Düse und meist 70–100 °C am Heizbett. Die Spannen unterscheiden sich je nach Variante stark, verlass dich also auf die Angaben auf der Spule. Ein eigenes Slicer-Profil lohnt sich, denn die Einstellungen für PLA passen hier nicht.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Hohe Zähigkeit und Schlagfestigkeit | Nimmt schnell Feuchtigkeit auf |
| Gute Abriebfestigkeit, gleitet gut | Starker Verzug bei großen Teilen |
| Für bewegte Funktionsteile geeignet | Hohe Drucktemperaturen nötig |
| Faserverstärkte Varianten verfügbar | Haftung auf dem Druckbett oft heikel |
Faserverstärkte Sorten sind abrasiv und verlangen eine gehärtete Düse. Zur Einordnung hilft der Eintrag zu Carbonfaser-Filament.
Ein Tipp für den Einstieg: Drucke zunächst einen kleinen Testwürfel aus Nylon, bevor du ein großes Teil startest. So siehst du früh, ob Trocknung, Haftung und Temperatur stimmen, und sparst dir viele Stunden Druckzeit samt Material.
In der Praxis
Für Einsteiger ist Nylon selten das erste Material. Wenn du es probierst, plane die Trocknung gleich mit ein: Ein Filamenttrockner spart dir viel Ausschuss und Frust. Starte mit kleinen Teilen, bevor du ein großes Bauteil riskierst.



